„Die Erde schenkt uns mehr Selbsterkenntnis als alle Bücher, weil sie uns Widerstand leistet. Und nur im Kampfe findet der Mensch zu sich selber. Aber er braucht dazu ein Werkzeug, einen Hobel, einen Pflug. Der Bauer ringt in zäher Arbeit der Erde immer wieder eines ihrer Geheimnisse ab, und die Wahrheiten, die er ausgräbt, sind allgültig. So stellt auch der Computer, das Werkzeug der Informationstechnologie, den Menschen allen alten Welträtseln gegenüber und wird uns zum Werkzeug der Erkenntnis und Selbsterkenntnis.”

Antoine de Saint-Exupéry

Natürlich steht nicht Computer und Informationstechnologie, sondern Flugzeug und Luftverkehr im ersten Absatz der Einleitung zu „Wind, Sand und Sterne”. Der berühmte französische Flugpionier und Schriftsteller schrieb „Terre des hommes” 1937.

Warum Programmieren Lernen ?

 


 

Seit der Erfindung des Buchdrucks vor über 560 Jahren sind die wichtigsten Kulturtechniken (basic skills) Lesen, Schreiben und Rechnen. Wir lernen Lesen, um durch Lesen lernen zu können. Wir lernen Schreiben, um durch Schreiben lernen zu können. Wir lernen Rechnen, um zu lernen, wie man Aufgaben löst.

Heute, im Informationszeitalter, kommen neue Kulturtechniken hinzu. Es genügt nicht nur, lesen zu können, man muss einen Computer benutzen, um lernen zu können. Es genügt nicht nur, schreiben zu können, man muss programmieren, um lernen zu können.[1] Es genügt nicht nur, rechnen zu können, man muss Probleme lösen, indem sie zerlegt und die Teile einzeln, als so genannte Algorithmen, abgearbeitet werden.[2]

Seit der Erfindung des Transistors 1947 ging die Entwicklung der Hardware immer schneller voran als die Entwicklung der Software - und so wird es wohl auch weiterhin sein. Sisyphos, der legendäre König von Korinth, wurde abgelöst vom Informatiker, dessen Felsblock Programmieren ist.

Dazu kommen immer mehr neue Aufgaben, deren Lösungen durch Kaufleute, Ingenieure und Wissenschaftler anstehen. Die Programme hierfür müssen schnell geschrieben sein. Erst einem Informatiker ein Thema beizubringen, ist zu zeitaufwändig und zu teuer.

Es wäre ideal, wenn dem Kaufmann für die Ermittlung einer Zahl, dem Ingenieur zur Lösung einer Aufgabe oder dem Wissenschaftler zur Entwicklung einer Methode immer das richtige Werkzeug sofort zur Verfügung stünde. Denn nur der Kaufmann oder der Ingenieur oder der Wissenschaftler versteht das, was er gerade ausarbeitet, am besten. Es fehlt ihm vielleicht nur ein besonderes Werkzeug, eine zweckmäßige Programmiersprache.[3]

Quellen:

  1. John Alexander Miller, Promoting Computer Literacy Through Programming Python (Dissertation 2004: The University of Michigan), pp. 40-41
  2. Georg Polya, Schule des Denkens - Vom Lösen mathematischer Probleme (Sammlung Dalp, Francke Verlag Bern - München 19803)
    Das englische Original How to Solve it wurde erstmalig 1945 veröffentlicht und wird auch heute noch jedem angehenden Mathe-Lehrer und Ingenieur sowie jedem, der Probleme zu lösen hat, empfohlen. Auf amazon.com wird es als „vielleicht berühmtestes Mathematik-Buch seit Euklids Elemente” bezeichnet. Georg Polya gilt als einer der einflussreichsten Mathematiker des 20. Jahrhunderts.
  3. Guido van Rossum, Computer Programming for Everybody (Corporation for National Research Initiatives, Reston, Virginia/USA 1999)

Nachtrag:

Forschungsergebnisse in den USA sagen: Mit einer geeigneten Programmiersprache ist es möglich, bereits 10-jährigen Schüler(inne)n das Programmieren beizubringen. Als Bestandteil der Allgemeinbildung!

Halten Sie das für übertrieben?

Vor ungefähr einem halben Jahrtausend, zur Zeit Adam Rieses, wurde an vielen deutschen Universitäten in den höheren Semestern das Dividieren als Pflichtfach eingeführt. Worauf sich die Studenten beschwert haben: Ob es wirklich notwendig sei, dass so etwas Schwieriges gelernt werden müsse . . .

 

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